Power commander
Der Power Commander ist ein fortschrittliches, externes Elektronikmodul, das eine präzise Abstimmung der Kraftstoffkennfelder bei Motorrädern mit Kraftstoffeinspritzung ermöglicht. Seine Installation optimiert den Motorbetrieb, um höhere Leistung, Drehmoment und eine bessere Gasannahme zu erzielen.
Power Commander – was ist das und was bringt es?
Der Power Commander ist, vereinfacht ausgedrückt, ein kleiner Computer, der zwischen das serienmäßige Motorrad-Steuergerät (ECU) und die Einspritzdüsen geschaltet wird. Er ersetzt nicht das werkseitige ECU, sondern modifiziert die von ihm gesendeten Signale. Er fungiert als intelligenter Übersetzer, der die den Zylindern zugeführte Kraftstoffmenge in Echtzeit korrigiert. Das Hauptziel ist die Optimierung der Kraftstoff-Luft-Gemischzusammensetzung über den gesamten Drehzahlbereich. Werkseitige Kennfelder sind oft ein Kompromiss, der auf die Einhaltung von Abgasnormen abzielt, was nicht immer mit maximaler Leistung einhergeht. Der Power Commander ermöglicht es, das volle Potenzial des Motors freizusetzen, insbesondere nach anderen Modifikationen wie der Installation einer Sportauspuffanlage oder eines Sportluftfilters.
Was unterscheidet ihn vom Serienteil?
Das Serienpendant, mit dem der Power Commander zusammenarbeitet, ist das Hauptmotorsteuergerät, also das ECU (Engine Control Unit). Das werkseitige ECU verfügt über ein fest hinterlegtes, universelles Kennfeld für Kraftstoffdosierung und Zündung. Dieses ist so konzipiert, dass das Motorrad unter allen Bedingungen korrekt funktioniert und strenge Umweltnormen erfüllt, oft auf Kosten einer „Drosselung“ von einigen PS und einer Verschlechterung der gleichmäßigen Leistungsentfaltung. Der Power Commander ist ein externes Gerät, das das Aufspielen eines individuell vorbereiteten Kraftstoffkennfeldes ermöglicht. Er bietet die Möglichkeit, die Parameter präzise an das jeweilige Motorradmodell und die darin verbauten Zubehörteile anzupassen, wodurch Herstellerkompromisse eliminiert und das Potenzial der vorgenommenen Änderungen voll ausgeschöpft werden.
Effekte der Installation
Die Installation des Power Commander-Moduls bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich, die während der Fahrt spürbar sind. Die wichtigsten davon sind:
- Leistung und Drehmoment: Die korrekte Abstimmung eines Motorrads mit Power Commander auf einem Prüfstand führt zu einem messbaren Leistungs- und Drehmomentzuwachs, oft um mehrere bis zu zwölf Prozent.
- Gasannahme: Die Laufkultur des Motors verbessert sich. Phänomene wie „Ruckeln“ bei niedrigen Drehzahlen oder eine verzögerte Reaktion auf die Gasgriffbewegung verschwinden. Das Motorrad wird berechenbarer und gibt die Leistung gleichmäßiger ab.
- Sound: Obwohl das Modul selbst den Sound nicht beeinflusst, kann die Optimierung der Verbrennung in Verbindung mit einem Zubehörauspuff unerwünschte „Fehlzündungen“ aus dem Auspuff beim Gaswegnehmen eliminieren.
- Sicherheit und Komfort: Eine bessere und linearere Gasannahme führt zu mehr Vertrauen des Fahrers und präziserem Fahrverhalten, was sowohl den Komfort als auch die Sicherheit der Fahrt erhöht.
Power Commander und das Gesetz – ist es legal?
Der Kauf und Besitz des Power Commander-Moduls ist völlig legal. Fraglich wird jedoch sein Einfluss auf die Straßenzulassung des Fahrzeugs. Eine Modifikation der Kraftstoffkennfelder führt fast immer zu einer Änderung der Abgaszusammensetzung. Das bedeutet, dass das Motorrad nach einem solchen Tuning höchstwahrscheinlich die Abgasnormen (z. B. Euro 4, Euro 5), mit denen es das Werk verlassen hat, nicht mehr erfüllen wird. Aus diesem Grund wird der Power Commander oft als Teil eingestuft, das für den Einsatz auf der Rennstrecke bestimmt ist. In der Praxis wird die Abgasemission bei Motorrädern während der Standard-TÜV-Prüfung selten kontrolliert, jedoch können bei einer detaillierteren Verkehrskontrolle oder im Falle eines Unfalls rechtliche Komplikationen auftreten.
Worauf bei Auswahl und Montage achten?
Ein entscheidender Punkt bei der Auswahl ist die Anpassung des Moduls an das spezifische Modell, die Marke und das Baujahr des Motorrads – es gibt keine universellen Lösungen. Es lohnt sich, neuere Generationen (z. B. Power Commander 6) zu wählen, die mehr Funktionen und Präzision bieten. Die physische Montage selbst ist relativ einfach (meist ein „Plug-and-Play“-System), die eigentliche Arbeit beginnt jedoch später. Die Effektivität des Geräts hängt zu 100 % vom aufgespielten Kraftstoffkennfeld ab. Man kann zwar vorgefertigte Kennfelder von der Herstellerseite (Dynojet) herunterladen, diese sind jedoch für durchschnittliche Konfigurationen erstellt. Die absolut besten Ergebnisse erzielt man durch eine individuelle Abstimmung des Motorrads auf einem Prüfstand unter Aufsicht eines erfahrenen Tuners. Er erstellt ein Kennfeld, das perfekt auf Ihre Maschine abgestimmt ist und maximale Leistung sowie Motorschutz gewährleistet.
Womit kombinieren?
Der Power Commander entfaltet sein volles Potenzial erst dann, wenn der Motor freier „atmen“ kann. Daher ist seine Installation sogar empfehlenswert, manchmal sogar notwendig, bei anderen Modifikationen am Ansaug- und Abgassystem. Die besten Synergieeffekte erzielt man durch die Kombination mit:
- Sportauspuffanlage: Unabhängig davon, ob es sich um den Endschalldämpfer (Slip-On) oder ein Komplettsystem handelt, ist der Wechsel zu einem durchsatzstärkeren Auspuff der Hauptgrund, warum Kraftstoffkennfelder korrigiert werden.
- Sportluftfilter: Ein Zubehörfilter mit höherem Durchsatz (z. B. K&N, BMC) führt dem Motor mehr Luft zu, die durch eine entsprechend größere Kraftstoffmenge ausgeglichen werden muss.
- Entfernung des Katalysators (De-Cat): Eine radikale Erhöhung des Abgasstroms erfordert unbedingt eine professionelle Abstimmung, um Motorschäden durch den Betrieb mit einem zu mageren Gemisch zu vermeiden.
- Quickshifter-Modul: Viele neuere Power Commander-Modelle verfügen über Anschlüsse für zusätzliches Zubehör, wie z. B. einen Quickshifter zum Hochschalten ohne Kupplung.