Motorrad-Chemie
Motorradchemie ist eine breite Palette spezialisierter flüssiger und Aerosolprodukte, die für den ordnungsgemäßen Betrieb, die Wartung und Pflege jedes Zweirads unerlässlich sind. Sie umfasst Motoröle, Betriebsflüssigkeiten, Schmierstoffe, Reinigungspräparate und Kosmetika.
Was ist Motorradchemie?
Unter dem Begriff Motorradchemie verbirgt sich die Gesamtheit aller Präparate, die für die mechanische Funktionstüchtigkeit, den Schutz und das Aussehen Ihres Motorrads sorgen. Das ist nicht nur Motoröl, sondern ein ganzes Arsenal von Mitteln, die in drei Hauptkategorien unterteilt werden können:
- Betriebsflüssigkeiten: Das ist der Blutkreislauf des Motorrads. Dazu gehören Motoröle, Getriebeöle (einschließlich für die Kardanwelle), Gabelöle (für die Federung), Bremsflüssigkeiten und Kühlflüssigkeiten. Ihre Aufgabe ist es, zu schmieren, zu kühlen, vor Korrosion zu schützen und das ordnungsgemäße Funktionieren wichtiger Komponenten zu gewährleisten.
- Wartungsmittel: Diese Produktgruppe schützt das Motorrad vor Verschleiß und äußeren Einflüssen. Der wichtigste Vertreter ist Kettenspray, aber hier finden wir auch Universalschmierstoffe (z.B. für Züge und Hebel), Korrosionsschutzmittel oder Mittel zum Schutz elektrischer Kontakte.
- Reinigungs- und Kosmetikmittel: Sie sind für das Aussehen und den Oberflächenschutz des Motorrads verantwortlich. Dazu gehören Shampoos, Aktivschäume, Reiniger für Kette, Felgen und Motor, sowie Lackwachse, Reifen- und Kunststoffpflegemittel oder Pflegeprodukte für Lederbekleidung und Sitzbänke.
Was bedeuten Normen und Spezifikationen?
Etiketten auf Motorradchemieprodukten sind voll von geheimnisvollen Abkürzungen. In Wirklichkeit sind dies wertvolle Hinweise, die bei der Auswahl des richtigen Produkts helfen. Hier sind die beliebtesten davon:
- Motorölbezeichnungen (z.B. 10W-40, API SN, JASO MA2):
- 10W-40: Dies ist die SAE-Viskositätsnorm. Die erste Zahl mit dem Buchstaben "W" (Winter) gibt die Fließfähigkeit des Öls bei niedrigen Temperaturen an (je niedriger, desto besser der Kaltstart). Die zweite Zahl ist die Viskosität bei hoher Betriebstemperatur (je höher, desto besserer Schutz für den warmen Motor).
- API SN: Qualitätsnorm des American Petroleum Institute. Der Buchstabe "S" steht für die Verwendung in Benzinmotoren, und der zweite Buchstabe (hier "N") gibt die Qualitätsklasse an – je weiter der Buchstabe im Alphabet ist, desto neuer und anspruchsvoller ist die Norm.
- JASO MA2: Eine entscheidende Norm der Japanese Automotive Standards Organization für Motorräder mit Nasskupplung (also die meisten). Sie bedeutet, dass das Öl eine optimale Reibung für die Kupplung gewährleistet und ein Rutschen verhindert. JASO MA ist die Basisnorm, und JASO MB ist für Roller mit Trockenkupplung vorgesehen.
- Bremsflüssigkeitsbezeichnungen (z.B. DOT 4):
- DOT (Department of Transportation): Dies ist ein Standard, der u.a. den Siedepunkt der Flüssigkeit festlegt. DOT 4 hat einen höheren Siedepunkt als DOT 3 und wird am häufigsten in Motorrädern verwendet. DOT 5.1 hat noch höhere Parameter. Wichtig: DOT 3, 4 und 5.1 dürfen nicht mit DOT 5 (auf Silikonbasis) gemischt werden.
Wie und wann Motorradchemie anwenden / wechseln?
Regelmäßigkeit und die richtige Technik sind der Schlüssel zur Langlebigkeit eines Motorrads. Hier ist ein praktischer Zeitplan für die wichtigsten Wartungsarbeiten:
- Motoröl: Wechseln Sie es jede Saison oder gemäß dem in der Bedienungsanleitung angegebenen Intervall (z.B. alle 6000 km), je nachdem, was zuerst eintritt. Wechseln Sie es immer zusammen mit dem Ölfilter.
- Kettenspray: Schmieren Sie die Kette im Durchschnitt alle 300-500 km und unbedingt nach jeder Fahrt im Regen. Reinigen Sie die Kette zuerst gründlich mit einem speziellen Reiniger und tragen Sie dann das Schmiermittel auf die Innenseite der Glieder auf die warme Kette nach der Fahrt auf. Lassen Sie es einige Stunden, am besten über Nacht, trocknen.
- Bremsflüssigkeit: Wechseln Sie sie unbedingt alle 2 Jahre, unabhängig von der Laufleistung. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch (nimmt Wasser aus der Umgebung auf), was ihren Siedepunkt drastisch senkt und im ungünstigsten Moment zu einem Verlust der Bremskraft führen kann.
- Kühlflüssigkeit: Überprüfen Sie den Füllstand regelmäßig und wechseln Sie sie gemäß den Herstellerempfehlungen, normalerweise alle 2-4 Jahre.
- Waschen und Wachsen: Waschen Sie das Motorrad regelmäßig, um Schmutz, Insekten und andere Verunreinigungen zu entfernen, die den Lack beschädigen können. Nach dem Waschen ist es ratsam, ein Wachs aufzutragen, das eine Schutzschicht gegen UV-Strahlen bildet und die nächste Reinigung erleichtert.
Wie wählt man die richtige Motorradchemie für sein Motorrad aus?
Die Auswahl der richtigen Produkte ist einfacher, als es scheint. Die wichtigste Informationsquelle ist immer die Bedienungsanleitung Ihres Motorrads. Dort hat der Hersteller genau festgelegt, welche Normen und Spezifikationen erforderlich sind (z.B. Ölviskosität 10W-40, JASO MA2-Norm, Bremsflüssigkeit DOT 4). Wenn Sie keinen Zugang zur Anleitung haben, können Sie Folgendes nutzen:
- Online-Kataloge der Chemiehersteller: Auf den Websites von Firmen wie Motul, Castrol oder Liqui Moly finden Sie Suchmaschinen, die Ihnen nach Eingabe von Marke, Modell und Baujahr des Motorrads die passenden Produkte anzeigen.
- Beratung im Fachhandel: Ein erfahrener Verkäufer kann Ihnen anhand der Daten Ihres Motorrads problemlos das richtige Öl, die richtigen Flüssigkeiten und Schmierstoffe empfehlen.
Denken Sie daran, dass für moderne, hochbelastete Motoren vollsynthetische Öle empfohlen werden, die den besten Schutz in einem weiten Temperaturbereich bieten. Bei älteren, weniger beanspruchten Konstruktionen ist oft ein halbsynthetisches oder mineralisches Öl ausreichend, das den Empfehlungen der damaligen Zeit entspricht.
Fehler und Mythen
Um die Motorradchemie haben sich viele Mythen gebildet, die zum Wohl unserer Maschinen entlarvt werden sollten.
- "Man kann verschiedene Motoröle mischen." In einer Notsituation kann man Öl mit ähnlicher Spezifikation nachfüllen, aber dies ist auf Dauer nicht empfehlenswert. Jeder Hersteller verwendet unterschiedliche Additivpakete, die ungünstig miteinander reagieren können. Es ist absolut verboten, Autoöl in ein Motorrad mit Nasskupplung zu füllen – die darin enthaltenen Additive können ein Rutschen der Kupplung verursachen.
- "Teureres Kettenspray ist immer besser." Nicht unbedingt. Wichtiger als der Preis ist die Regelmäßigkeit des Reinigens und Schmieren sowie die Auswahl des Schmiermittels entsprechend den Bedingungen (z.B. ein anderes für Straßenfahrten, ein anderes für Off-Road). Selbst das teuerste Schmiermittel hilft nicht, wenn es auf eine schmutzige und vernachlässigte Kette aufgetragen wird.
- "Bremsflüssigkeit wechsle ich, wenn die Bremsen schwächer werden." Das ist ein extrem gefährlicher Fehler. Wenn Sie spüren, dass der Bremshebel "weich" wird oder "einfällt", bedeutet dies, dass die Flüssigkeit bereits gekocht hat. Der Wechsel sollte vorsorglich alle 2 Jahre durchgeführt werden, um eine solche Situation auf der Straße zu vermeiden.
- "Man muss das Gabelöl nicht wechseln." Das ist ein Mythos. Das Öl in der Vordergabel (Standrohren) verschleißt wie jedes andere. Mit der Zeit verliert es seine Dämpfungseigenschaften, was sich negativ auf Fahrverhalten und Fahrkomfort auswirkt. Es sollte gemäß dem Serviceintervall, normalerweise alle 20-40 Tausend km, gewechselt werden.