Kettenspannung
Die Kettenspannung ist der Prozess der Einstellung der Spannung der Antriebskette eines Motorrads. Die Einstellung des richtigen Arbeitsspiels ist eine der wichtigsten Wartungsarbeiten, entscheidend für die Sicherheit, die Lebensdauer des Antriebssatzes und den Fahrkomfort.
Kettenspannung – was bedeutet das? Eine einfache Erklärung
Entgegen dem Anschein bedeutet die Kettenspannung nicht, die Kette „straff“ wie Gitarrensaiten zu spannen. Im Gegenteil – entscheidend ist die Einstellung eines angemessenen „Arbeitsspiels“. Die Antriebskette muss einen gewissen Bereich freier Auf- und Abwärtsbewegung haben, da sich während der Arbeit der Federung der Abstand zwischen dem Ritzel (am Motor) und dem Kettenrad (am Rad) ändert. Wäre die Kette straff gespannt, würde jede Federwegsbewegung enorme Kräfte erzeugen, die zu Schäden an Kette, Kettenrädern oder sogar an den Lagern im Getriebe führen könnten. Deshalb geben die Hersteller in der Bedienungsanleitung des Motorrads immer einen empfohlenen Wert für das Spiel an, z.B. 25-35 mm, der regelmäßig überprüft werden sollte.
Wie funktioniert die Kettenspannung?
Der Mechanismus zur Einstellung der Kettenspannung ist bei den meisten Motorrädern einfach und basiert auf dem Verschieben des Hinterrads in der Schwinge. Dieser Vorgang sieht in der Regel wie folgt aus: Das Motorrad wird auf den Hauptständer oder einen Montageständer gestellt, die große Achsmutter des Hinterrads gelöst und anschließend mit den Einstellschrauben (die sich an den Enden der Schwinge befinden) das Rad vor- oder zurückbewegt. Entscheidend ist, die Einstellung auf beiden Seiten der Schwinge um den gleichen Wert vorzunehmen, dabei die Markierungen und Skalen zu beachten. Nach dem Einstellen des empfohlenen Spiels (gemessen in der Mitte des unteren Kettenteils) wird die Achsmutter mit dem entsprechenden Drehmoment angezogen, wobei sicherzustellen ist, dass das Rad in der idealen Achse des Motorrads bleibt.
Welche Vorteile bietet es dem Motorradfahrer?
Eine richtig eingestellte Kettenspannung ist die Grundlage für sicheres und wirtschaftliches Fahren. Die Hauptvorteile sind:
- Sicherheit: Eine zu lockere Kette kann von den Kettenrädern springen und das Hinterrad blockieren, was extrem gefährlich ist. Eine zu straff gespannte Kette hingegen kann während der Fahrt reißen, was zu Antriebsverlust oder Motorschäden führen kann.
- Lebensdauer des Antriebssatzes: Das richtige Spiel minimiert den Verschleiß von Kette, Kettenrädern und schützt zudem das Abtriebslager im Getriebe vor übermäßiger Belastung. Dies führt direkt zu Einsparungen.
- Komfort und Leistung: Eine gut eingestellte Kette gewährleistet eine reibungslose Kraftübertragung auf das Rad, wodurch Ruckeln und unangenehme Geräusche eliminiert werden. Die Fahrt wird flüssiger und vorhersehbarer, besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten.
Kettenspannung in der Praxis – wo wird sie angewendet?
Die Einstellung der Kettenspannung ist ein Standard-Serviceverfahren bei allen Motorrädern, die eine Kette zur Kraftübertragung nutzen. Dies betrifft die überwiegende Mehrheit der Maschinen auf dem Markt: Sportmotorräder, Tourer, Naked Bikes, Enduros, Crossmaschinen, sowie viele Chopper und Cruiser. Diese Maßnahme wird nicht bei Motorrädern mit alternativen Antrieben durchgeführt, wie dem wartungsfreien Kardanantrieb (z.B. bei BMW Motorrädern oder großen Tourern) oder dem leisen Riemenantrieb (beliebt bei Cruisern und einigen Stadtmotorrädern).
Geschichte und Entwicklung
Die ersten Systeme zur Einstellung der Kettenspannung waren sehr einfach und erforderten oft Improvisation. Moderne Lösungen sind wesentlich präziser und benutzerfreundlicher. An den Schwingen finden sich gut ablesbare Skalen, die das gleichmäßige Ausrichten des Rades erleichtern. Eine interessante und fortschrittliche Lösung sind die sogenannten Exzenter-Spanner, die hauptsächlich bei Motorrädern mit Einarmschwinge (z.B. Ducati, Triumph) zum Einsatz kommen. Sie ermöglichen eine schnelle und sehr präzise Einstellung des Kettenspiels mittels eines speziellen Schlüssels, ohne dass die Radachse auf herkömmliche Weise gelöst werden muss.